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Lithiumabbau umweltfreundlicher als gedacht?
01.04.2019

Lithiumabbau umweltfreundlicher als gedacht?

Als Lithium-Dreieck bezeichnet man eine bestimmte Region im Länderdreieck von Bolivien, Chile und Argentinien, die durch große Hitze und Trockenheit gekennzeichnet ist. In den ausgetrockneten Salzseen schlummern über die Hälfte der weltweiten Lithium-Reserven. Das Leichtmetall wird massenweise für Laptops und Smartphones verwendet und ist auch für Batterien von Elektro-Autos extrem gefragt, mit stark wachsender Tendenz. Lithium gilt also somit als einer der wichtigsten Stoffe in modernen Akkus. Kobalt, Graphen, Aluminium- immer gibt es eine alternative Bezugsmöglichkeit oder einen Ersatzstoff, aber ohne Lithium gibt es nun einmal keine Lithium-Ionen-Akkus. Stromspeicher sind aktuell die größten Lithiumverbraucher. Rund 30 Prozent der Produktion landen momentan in diesem Bereich - weit mehr als in Produkten aus Glas- und Keramik.

Bei der Gewinnung von Lithium werden riesige Mengen Salzlauge aus der Erde gepumpt und verdunsten dann. Entnimmt man zu viel, sinkt das Grundwasser. Die Umweltbelastungen durch Staub und die Wasserentnahme sind groß. Durch die Wasserverknappung entstehen besonders Probleme für Rinderbauern, die um ihre Herden fürchten. Ein Austrocknen der Wasserstellen könnte auch die örtliche Fauna ins Ungleichgewicht bringen und nahegelegene Flamingokolonien ausrotten.

Viele Medien nennen einen Wert um zwei Millionen Litern Sole pro gewonnener Tonne Lithium. Als Quelle für diese Zahl dienen die Auswertungen des Geologen Fernando Díaz der Universität Buenos Aires von 2011. Leider führt er seine Schätzung nicht komplett aus. An anderen Förderorten als dem von Diaz genannten Salar de Uyuni in Bolivien, wie etwa der Salar de Atacama in Chile, ist die Lithium-Konzentration deutlich höher, so dass rechnerisch bei der Lithiumgewinnung einer Tonne statt zwei Millionen nur noch 0,4 Millionen Liter Wasser verdunsten.


Neue Technologien reduzieren den Verbrauch von Wasser zudem weiter

Das Wasser geht nicht gänzlich verloren: es verdunstet nicht komplett, da Lithium aus der noch feuchten Sole extrahiert wird. Der verbleibende Rest wird wieder in den Boden zurückgepumpt. Neben dem Zurückpumpen der Sole nach der Lithiumextraktion gibt es noch andere Gründe, die für einen geringeren Wasserverbrauch pro Tonne Lithiumgewinnung sprechen. Durch ein sogenanntes Wassermanagement des Unternehmens SQM kann ein Teil des Grundwassers durch Wasser aus dem Pazifik ersetzt werden. Auch andere neue Technologien des Wettbewerbers Albemarle sollen es möglich machen, dass mehr Lithium bei gleichem Soleverbrauch gewonnen werden kann. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der Wasserverbrauch inzwischen längst weiter gesunken ist, während die Diskussion bei uns noch auf Zahlen aus dem Jahr 2011 basiert.

Zudem gibt es am bolivianischen Salar drei Monate Regenzeit, mit einem Wasserüberstand von bis zu einem halben Meter, sodass der Verbrauch bei der Solarevaporation mehr als ausgeglichen wird.

Allerdings: Albemarle und SQM werfen sich gegenseitig vor, heimlich mehr Sole zu extrahieren als überhaupt erlaubt, um ihren Ertrag zu steigern. Eine Prüfung dieser Vorwürfe läuft.  Die Messbarkeit ist per se nicht einfach, weil aus dem Salar de Atacama in Chile ohnehin pro Jahr 145 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Sonne verdunsten.

Gibt es Lösungsansätze?

Eine erste Pilotanlage am Rand des Salar de Uyuni, dem größten Lithium-Vorkommen der Welt, wurde bereits aus Umweltschutzgründen ohne feste Anlagen errichtet. Die Sole wurde mit rückbaubaren Pipelines gefördert, das für den Prozess benötigte Wasser teilweise durch salzhaltiges Wasser aus Flüssen bereitgestellt. Das ist sinnvoll, weil dadurch nicht der Grundwasserspiegel absinkt. Zwar kann man Sole nicht trinken. Aber entnimmt man die Sole, sinken auch die Pegel der Gewässer, die Süßwasser führen.

US-Unternehmen wie MGX Minerals oder Pure Energy planen Anlagen, die das Lithium in einem geschlossenen Prozess gewinnen und die Sole damit komplett zurückpumpen. Das Wasser-Problem wäre hierbei gelöst. Doch diese Technologie wird als nicht umweltfreundlich und kurzsichtig von deutschen Unternehmen kritisiert, denn hier würden auch die Substanzen zurückfließen, die das Lithium herauslösen. Zudem enthält die Sole auch Minerale, die zu Dünger weiterverarbeitet werden können. Dies würde die Ökobilanz weiter aufbessern.

Quelle: edison.handelsblatt.com, Peter Vollmer, 07.03.2019

Foto: pixabay